Geschichte

Wie hat sich der Wintersport in Carlsfeld entwickelt?

Der Ski Club Carlsfeld e.V. wurde im Jahr 1911 gegründet und blickt auf eine über 100-jährige Vereinsgeschichte zurück.

Der Skilauf war bereits in der Urgesellschaft bekannt. Das beweisen Felszeichnungen, die etwa vier- bis fünftausend Jahre alt sind. In dem Buch „Mineralogische Geschichte des sächsischen Erzgebirges“ heißt es unter anderem: „… und wil dan solche Waldleute bey ihrer Beschäftigung (Bergbau in weit entlegenen Gebieten) auf den gebahnten Wegen ,denen es ohnehin sehr wenige gibt, nicht bleiben können, so bedienen sie sich der Fußbretter wie die Lappländer, womit sie ebenso behende wie diese über den tiefen Schnee laufen.“

In der „Erdbeschreibung von Kursachsen 1791“ ist zu lesen: „Auch versteht er sich (der Erzgebirger) … auf den Gebrauch der Fußbretter und gleitet damit ebenso künstlich als schnell über den tiefen Schnee“.

Diese Beispiele zeigen, dass der Schneeschuh als Fortbewegungsmittel seit über zwei Jahrhunderten auch in unserer Region bekannt war. Als Carlsfeld noch gar nicht existierte (vor 1679), wurde der Bergbau vorwiegend von Bergleuten aus Eibenstock und Sosa betrieben. Diese zogen von Montag bis Freitag auf den sogenannten „Wochenberg“. Durch die Verwendung von Schneeschuhen konnten die großen Entfernungen schneller bewältigt werden. Der „Skisport“ allerdings geht auf das 1891 in deutscher Übersetzung erschienene Buch von Fridjof Nansen zurück (Durchquerung Grönlands auf Skiern 1888, nachdem die bei den Lappländer l883 in 57 Stunden 460 km zurücklegten! … ).

Damit hatte der Winter seinen Schrecken verloren. Von Carlsfeld, dem „Sächsischen Sibirien“ wurde bekannt, dass es sehr schneesicher ist. Das mag dazu beigetragen haben, dass der Skilauf in unserem Gebiet schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts Popularität erlangte. Es ist anzunehmen, dass skandinavische Studenten der Bergakademie Freiberg, der Universität Leipzig und dem Technikum Mittweida Skiausflüge in die Kammregionen unternahmen und somit zu Pionieren des Skilaufs in dieser Region wurden.

Kantor Götz

Der erste namentlich erwähnte Skiläufer aus Carlsfeld war der damalige Lehrer und Kantor Götz. Er ließ sich 1894 für ca. 3 Mark ein paar „Norwegische Bretter“ anfertigten. Sofort hatte er Nachahmer unter der einheimischen Jugend gefunden. Wer das Glück hatte an „Faßdauben“ heranzukommen, befestigte darauf mit Riemen seine Fußbekleidung und das Vergnügen konnte beginnen.

Die Chronik berichtet, daß 1896 das erste „Schneeschuhfest“ in Carlsfeld stattfand, worüber selbst Berliner Zeitungen geschrieben haben sollen. Mit der Fertigstellung der Schmalspurbahn 1897 wurde Carlsfeld für Wintersportler aus Zwickauer, Leipziger und auch Berliner Vereinen noch schneller erreichbar. So folgte im Jahre 1900 das „berühmte Carlsfelder Skirennen“ mit einer für damalige Verhältnisse beachtlichen Zahl von 120 Teilnehmern. Diese nahmen an folgenden Disziplinen teil: Gesellschaftslaufen, Langhindernislaufen, Hirschkopfrennen, Abfahrtsrennen und Sprungrennen „nur für geübte Läufer!“ über eine 1-Meter hohe Schanze.

Das Gelände am Hirschkopf eignete sich vorzüglich für Anfänger und Fortgeschrittene. So kam der Chemnitzer Skiklub oft nach Carlsfeld. Vom Leipziger Erzgebirgsverein wissen wir, dass er jährlich 30 Mark spendete, die zur Beschaffung von Ausrüstung für bedürftige Kinder gedacht waren.

Geschichte-v-Andel-Postkarten (2)Carlsfeld entwickelte sich nun schnell zu einem bekannten Wintersportplatz. Mit der 1897 fertiggestellten Schmalspur-bahn – „De Bimm“  kamen viele Touristen in unseren Ort. An den Wochenenden tummelten sich zahlreiche Freunde des weißen Sports auf den Hängen beiderseits des Ortes. Aus einer Sparte des Erzgebirgs- und Wandervereins ging am 25.01.1911 der „Schi-Club Carlsfeld“ hervor. Die rasche Entwicklung wurde durch auswärtige Mäzene und dem Erzgebirgsverein unterstützt, sodass bereits 1912 Skikurse vom Münchner Skilehrer Kress abgehalten werden konnten.

Neben dem ersten Vorstand Förster Arthur Hennig, darf man den Förderer Dr. Goepel-Altenburg aus Weißenstadt nicht vergessen, der sich besonders um den Jugendsport verdient gemacht hat. Für die Popularität des Ortes sorgte auch der in Wintersportkreisen bestens bekannte und viel gereiste Dr. Frommelt aus Dresden, Regierungsrat Dr. Hänichen und nicht zuletzt der langjährige Vereinsvorsitzende Bandonionfabrikant Alfred Arnold. Der Anschluß an den Skiverband Sachsen erfolgte 1913. Höhepunkt dieses Jahres war am 07. Februar ein großes Wintersportfest am Hirschkopf. Teilnehmer des Sprunglaufs sollen auch Bayern, Österreicher und Studenten aus nordischen Ländern gewesen sein.

Die Begeisterung unter der skilaufenden einheimischen Jugend wurde immer größer. Bald genügte die Schanze am Hirschkopf nicht mehr, sodass man im jetzigen Talsperrengelände 1929 eine neue Anlage errichtete. Es entwickelte sich eine Springergilde, die auf den Schanzen am Aschberg, in Oberwiesenthal, Johanngeorgenstadt und in der näheren Umgebung sehr erfolgreich war. In den Siegerlisten finden sich die Namen Carlsfelder Sportler wie z.B.: Bienick, Ott, Mehnert, Weigel und die Gebrüder Böhm. Arno Lorenz gehörte schon 1926 zur „Deutschen Skiläufer-Elite“.

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Dr. Goepel Schanze

1931 wurde am „Stabhammer“ wiederum mit dem Bau einer neuen Schanze begonnen, die „internationalen“ Ansprüchen gerecht werden sollte. Man nannte sie zum Andenken an den verstorbenen langjährigen Förderer „Dr. Goepel Schanze“. Zum Eröffnungsspringen am 27.12.1931 sollten unter anderem Walter Glaß (Aschberg) sowie „berühmte Norweger, die in Dresden und Mittweida weilen“, eingeladen werden.

Nach der „Gleichschaltung“ aller Vereine 1934 geht die Eigenständigkeit des Skiclubs verloren. „Gau-und Standartenwettbewerbe“ wurden immer mehr unter dem Gesichtspunkt der Kriegsvorbereitung und Wehrertüchtigung durchgeführt. In der letzten Versammlung des Vereins am 13.4. 1940 musste eine neue Satzung angenommen werden. Somit war der Skiclub eine Gemeinschaft deutscher Skiläufer im „Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen“. Krieg und Gefangenschaft haben auch die Reihen der Carlsfelder Wintersportler arg gelichtet. Das Elend und der Hunger der Nachkriegszeit bestimmte die weitere sportliche Tätigkeit. Skimaterial und entsprechende Bekleidung sowie Ausrüstung fehlten vielfach, Papier für Urkunden gab es kaum. Medaillen und Pokale sind nicht nachweisbar. So sind Sachzeugen des Wiederbeginns sehr selten. Oftmals gab es als Preis ein Glas Gurken, ein Brot oder andere Naturalien. Enttäuscht waren die Sportfreunde,wenn es in Anerkennung ihrer Leistungen nur Bücher gab (Lenin, Stalin u.s.w.).

1946 erreichte Sportfreund Otto Lorenz nach schwierigen Verhandlungen mit der „Sowjetischen Besatzungsmacht“ in Aue, dass in Carlsfeld wieder eine „Sportgemeinschaft“ tätig werden durfte. Der erste größere Wettkampf konnte 1948 durchgeführt werden. Schon 1949, zur 1. DDR-Meisterschaft in Oberhof, wurde der Name Carlsfeld wieder bekannt. Liane Unger (Seifert) trug sich mit einem 2. Platz im Abfahrtslauf in die Siegerliste ein. Trotzdem gelang es nicht, den Wintersport besser zu organisieren. Die Sportgemeinschaft funktionierte nicht mehr. Durch die Bildung der Skiklubs in Klingenthal (Dynamo) und Oberwiesenthal (Traktor) wurde es für Carlsfelder Sportler immer schwieriger, vordere Plätze zu belegen. Freistellungen von der Arbeit (für Training) und bessere Ausrüstung gab es nicht. Zum Üben nahmen die Sportfreunde „stundenweise Urlaub“. Einen Aufschwung gab es erst wieder, nachdem 1953 die „Sektion Ski“ durch Werner Gerisch gegründet wurde. Nun waren die Wintersportler wieder selbständig in ihren Entscheidungen und unabhängig im Handeln. Unterstützung gab es durch den Kreissportlehrer Walter Vogt aus Aue, der Übungsstunden für die Kinder abhielt (1953 bis 1959).

Geschichte-v-Andel-Lucia (13)Großen Anteil am sportlichen Geschehen muss man auch unserem Schuldirektor Manfred Kohlmüller zuschreiben. Ihm ist es auch zu verdanken, dass Carlsfeld ab 1958 Trainingsstützpunkt des SC «Dynamo Oberwiesenthal“ wurde. (Ab 1961 territoriales Trainingszentrum „TZ Alpin“). Als Übungsleiter betätigten sich Manfred Koß, Volkmar Raß und Gotthard Lorenz vom SC Dynamo Oberwiesenthal sowie Rainer Glaß aus Carlsfeld. Während in dieser Zeit mit Herbert Pilz und Christoph Rölz (internationale Einsätze als Clubmitglied Johannstadt bzw. Klingenthal) die letzten Großen der Springergilde abtraten, entwickelte sich der Alpine-Stützpunkt weiter. Es stellten sich zahlreiche DDR-Meistertitel und Spartakiadeerfolge im Schülerbereich ein.

1967  errichteten viele fleißige Helfer den ersten Schlepplift und unser Vereinsheim.

Nach den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble erwies sich der Alpine Rennsport für die DDR Staats- und Parteiführung als nicht mehr förderungswürdig. Viele Stützpunkte wurden aufgelöst. Um den Kindern ihre sportliche Zukunft weiterhin zu gewährleisten, profilierte R. Glaß das TZ Alpin 1969 zum Trainingszentrum Nordisch um. Materielle Unterstützung durch den Landkreis (DTSB), Trainingslager in Oberwiesenthal und kurzfristige fachliche Anleitung durch Dieter Scharf schufen die Basis, dass unsere Schüler auch auf Nordischem Gebiet Erfolge erringen konnten. Ab 1972 gab es wieder Delegierungen an die KJS nach Klingenthal und Oberwiesenthal. Unter Anleitung der Übungsleiter Rainer Glaß und Heinz Georgi holte Jeanette Georgi 1975 den ersten DDR-Meistertitel der Schüler im Langlauf nach Carlsfeld.  In diese Zeit fiel auch der Bau der Schülerschanze „Zehnte Weltfestspiele“ am Ortsausgang.

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Kerstin Seidel

Ihren größten Triumph feierte Kerstin Seidel bei der Juniorenweltmeisterschaft (Murau 1982) in der Staffel. Gleiches gelang dem Junior Frank Schröder bei den Weltmeisterschaften 1982 in Oslo, als er mit seiner Mannschaft in der Männerkonkurrenz den 3. Platz belegte.

Auf einer Versammlung am 13.Juni 1990 wurde der „Ski-Club Carlsfeld“ unter Vorsitz von Heinz Schuster als Sektion des „SV Carlsfeld e. V.“ neu belebt. 1992/93 leitete den Club Frank Schröder, Uwe Peter in den Jahren 1993/94. Anschließend wurde Christoph Beetz gewählt, der mittlerweile der Chef von über 236 Mitgliedern ist. Ab Mai 1996 wurde der Skiclub als eigenständiger Verein geführt. Mit dem Fall der „Mauer“ erfolgte auch ein „Umdenken“ auf sportlichem und materiellem Gebiet. Staatliche Förderung und finanzielle Unterstützung gab es nicht mehr. Der Verein muss sich nun selbst „erhalten“. Der 1967 unter großen Schwierigkeiten und mit viel Mühe errichtete Skilift wurde nach 23-jähriger Betriebszeit durch den TÜV stillgelegt, die Bewirtschaftung des 1966 gebauten Skihäusels in Frage gestellt.

1991 entstand ein neuer Schlepplift mit einer Kapazität von 1.000 Personen/Stunde. Die Anschaffung von Motorschlitten und einer Pistenraupe folgten. 1996 konnte eine stationäre Beschneiungsanlage in Betrieb genommen werden.

Durch die verbesserten BeGeschichte-v-Andel-Bild 163dingungen waren nun wieder größere Wettkämpfe wie in den Jahren 1962 und 1975 (DDR-Meisterschaften im Langlauf) in Carlsfeld möglich. Wir richteten Landesmeisterschaften Alpin und Langlauf aus. Dank eines Teams gut geschulter und zuverlässiger Kampfrichter und eines ständig einsatzbereiten Bergrettungsdienstes können  diese Wettbewerbe abgesichert werden.Geschichte-v-Andel-Bild 087

Nicht nur eigene Wettkämpfe bestimmen den Jahresablauf im Ski-Club. Wir unterstützen den VSC Klingenthal beim Internationalen Kammlauf sowie bei nordischen Wettkämpfen in der Vogtlandarena und den Marathonverein Eibenstock e.V. beim Drei-Talsperren-Marathon.